Wege zur Selbstpflege

Wege zur Selbstpflege
Was trägt zu einem guten Gelingen der Selbstsorge bei?

Wege zur Selbstpflege

Selbstsorge und Selbstpflege sind wichtige Bausteine bei der Betreuung und Pflege von Angehörigen. Wer sich selbst nicht kennt und um sich selbst nicht sorgt, wird früher oder später vor großen Herausforderungen stehen, die sich aus den eigenen unterdrückten Bedürfnissen ergeben. Am Anfang wird die Pflege und Organisation von Arztterminen noch leichtgefallen sein. Ein paar Überstunden bei der Arbeit nehmen, kurz zum Arzt und zurück zur Arbeit. Kein Problem. Etwas früher aufstehen, kurz bei der Mutter vorbeischauen, beim Waschen und Anziehen helfen und los geht’s. Allerdings werden diese Einsätze häufiger mit zusätzlichem Pflegebedarf länger und selbst im Alltag dreht sich irgendwann alles um den zu Pflegenden. Wie ist die Laune? Was wurde gegessen? Was muss noch organisiert werden?! In dieser Pflegesituation kann man sich schnell verlieren.

Für sich selbst Sorge zu tragen erscheint schwierig. Dennoch ist es wichtig. Genauso ist es mit der Selbstpflege für Sie selbst. Es ist eine Selbstverständlichkeit wie das regelmäßige und ausgewogene Essen und Trinken, um gesund leben zu können. Um die Balance zwischen Ihren eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen zur Pflege und Betreuung zu Hause zu halten, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Infos! Je mehr, desto besser. Vernetzen Sie sich! Zusammen sind Sie stark und können sich gegenseitig unterstützen.
  • Verhaltensmuster erkennen und eigene Rolle finden. Das hilft Ihnen dabei, herausfordernde Situationen besser zu verstehen und Konflikte zu vermeiden.
  • Was sind Ihre Ansprüche an eine gute Pflegesituation und wo sind Unterschiede zur Machbarkeit? Was ist notwendig und was optional?
  • Machen Sie sich Ihre Grenzen bewusst und suchen Sie sich Hilfe. Niemandem fällt das Pflegen eines Angehörigen leicht und zu sehen, wie es Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen immer schwerer fällt, alltägliche Situationen zu bewältigen, belastet Sie noch zusätzlich.
  • Lernen Sie sich selbst zu beobachten und achten Sie auf sich. Mit Achtsamkeitstraining und Entspannungsmethoden ist es möglich, die eigenen Kräfte zu stärken und schwierige Situationen besser zu überstehen.

Den neuen Alltag bewältigen und sich selbst dabei nicht vergessen!


Damit dies gelingt sollten Sie folgende Grundvoraussetzungen vorher klären:

  • Warum möchte ich die Pflege übernehmen?
  • Was glaube ich, wie lange ich die Pflege ausüben werde?
  • In welcher Häuslichkeit findet die Pflege und Betreuung statt?
  • Ich berufe einen Familienrat ein, um die Organisation der Pflege gemeinsam zu besprechen.
  • Ich nehme ein Pflegeberatungsgespräch in Anspruch!
  • Habe ich einen Pflegekurs besucht?
  • Was muss ich beachten, wenn ich einen hilfsbedürftigen Menschen pflegen und betreuen möchte?
  • Wie erstelle ich mir einen strukturierten Tagesablauf?

So kann Selbstpflege und Selbstsorge gelingen: 

  • Grenzen ziehen – lernen, „nein“ zu sagen
  • Gute Zeiteinteilung (Zeitmanagement)
  • Entlastende Dienste und andere Helfer einplanen
  • Achtsam mit sich umgehen
  • Regelmäßig Pausen einlegen
  • Regelmäßig entspannen
  • Sozialkontakte pflegen
  • Totale Auszeiten planen (Urlaub)


Die Selbstsorge gerät im Alltag oft in Vergessenheit! Sie wird immer hintangestellt. Sie wird verschoben, auf nachher, auf morgen, auf nächste Woche! Was bleibt? Oft nicht einmal der Gedanke daran, dass man etwas für sich tun wollte! Deshalb ist es wichtig, Selbstsorge fest einzuplanen, um gestärkt Belastungen entgegenzuwirken oder sogar Belastungen vorbeugen zu können.

Alles braucht eine gute Organisation, deshalb ist es sinnvoll, sich einen Tages-/Wochenplan in Form einer Tabelle zu erstellen, indem Maßnahmen zur Selbstsorge und Arbeitsabläufe geplant werden können. Eine zusätzliche Spalte für entlastende Dienste und andere Helfer (wie z. B. Familienmitglieder, Nachbarn und ehrenamtlich Tätige) aufzuführen ist wichtig, denn die Arbeit muss auf mehrere verlässliche Schultern verteilt werden. Es sollte keiner zwangsverpflichtet werden, aber die Unterstützung muss verbindlich sein. Dadurch entschärfen Sie viele Belastungen bzw. verhindern ihr Auftreten. Siehe: Handlungshilfen für pflegende Angehörige

Was hindert Sie am Nein-Sagen?


© magele-picture - stock.adobe.com 

Die meisten Menschen haben gute Gründe dafür, sich selbst ständig zu überfordern und selten „Nein“ zu sagen. Daher sollten Sie sich nicht deswegen verachten. Gehen Sie stattdessen den Ursachen auf die Spur und überlegen Sie sich Alternativen (nach Matyssek 2012).

  • Überlegen Sie, welche der folgenden Gründe auf Sie zutreffen könnten!
  • Tauschen Sie sich hierüber zu zweit aus.
  • Nehmen Sie bitte auch Ergänzungen vor, die für Sie typisch sind.
  • Und danach überlegen Sie, ob Sie dieses Ziel nicht auch auf anderem selbstwertfreundlicherem Weg erreichen können.
    • „Man“ will nicht enttäuschen.
    • „Man“ glaubt, man bekommt Liebe.
    • „Man“ wünscht sich Anerkennung.
    • „Man“ glaubt, man erntet Dank.
    • „Man“ hat Angst vor Ablehnung.
    • „Man“ glaubt, man erwirbt so Sympathie.
    • „Man“ möchte die gute Stimmung nicht verderben.
    • „Man“ will kein Spielverderber sein.

Wie der andere auf Ihr „Nein“ reagiert, können Sie weder vorhersehen noch beeinflussen; Ihr Ziel sollte sein, Ihr „Nein“ gut verpackt und freundlich, aber bestimmt zu kommunizieren. Am Ende sollten Sie Ihr „Nein“ deutlich wiederholen.

Nein mit Begründung

  • „Da kann ich nicht, ich bin bereits verplant.“
  • „Ich habe pro Woche vier Stunden für euch reserviert, mehr schaffe ich nicht.“
  • „Ich brauche einfach mal Zeit für mich, da geht es nicht.“

Nein mit Verständnis

„Ich verstehe, dass du dich einsam fühlst.“

Nein mit Alternativangebot

„Diese Woche schaffe ich es nicht, aber in der nächsten Woche könnte ich Dir helfen.“

Ankündigung eines künftigen Neins

„Heute sage ich ja, aber beim nächsten Mal werde ich Nein sagen.“

Ablauf

  1. Verständnis äußern
  2. „Nein“ sagen
  3. Grund fürs Nein-Sagen liefern (ohne Rechtfertigung!) und es damit nachvollziehbar machen
  4. Alternativen/Kompromiss anbieten (oder fragen: „Was kann ich dafür liegenlassen?”) und erneutes Nein-Sagen = deutliche Grenzsetzung/Absage (wörtlich merken!)

Beispiel

  1. „Ich verstehe, dass es Dir wichtig ist.“
  2. „Aber (gleichzeitig, dennoch) kann ich morgen nicht kommen.“
  3. „Ich brauche einfach mal Zeit für mich.“
  4. „Morgen kann ich nicht kommen, ich komme aber gerne nächste Woche am Mittwoch.“

Formulieren Sie nun für sich Sätze zum Nein-Sagen mit Begründung. Gehen Sie so vor wie in Ablauf und Beispiel beschrieben. Wählen Sie eine Situation, die es in Ihrem Leben gibt und in der Sie sich in der Vergangenheit nicht getraut haben „Nein“ zu sagen.


© fizkes - stock.adobe.com  

Denkanstoß: Es ist wichtig, über sich selbst in der Rolle des Pflegenden und Betreuenden nachzudenken.

  • Was tut mir in meiner Situation gut?
  • Was kann ich tun?

Vorschläge zur individuellen Auswahl.

Wählen Sie aus: Stellen Sie aus den folgenden Möglichkeiten einen Selbstsorgeplan für zu Hause und einen für den Betrieb zusammen. Dieser sollte nach Möglichkeit mit einem/r Pflegeberater/in besprochen werden. Das sollten Sie ansprechen:

  • Selbstsorge direkt von Anfang an einplanen
  • Grenzen ziehen und lernen, „nein“ zu sagen
  • Zeit gut einteilen  
  • Hilfe einplanen und annehmen
  • Entlastung für zu Hause: mit Hilfe der Mitarbeiter der Pflegeberatungsstelle des Pflegestutzpunktes
  • Individuelle Netzwerke erstellen
  • Eine gute Organisation: von Anfang an einen Tages-/ Wochenplan erstellen, in dem Maßnahmen zur Selbstsorge berücksichtigt sind

Was Sie täglich zu Hause für sich tun können:

  • „Stopp“ sagen, wenn belastende oder unpassende Gedanken aufkommen: und diese auf einen anderen Zeitpunkt verschieben. Diesen Zeitpunkt auch tatsächlich wahrnehmen und den belastenden Gedanken Raum geben, um auf eine Lösung zu kommen. Falls keine Lösung möglich ist, den Gedanken nicht bewerten, wahrnehmen und ihn wie eine Wolke am Himmel ziehen lassen und die Aufmerksamkeit anschließend wieder auf die Atmung legen.
  • Schaffen Sie sich Inseln im Alltag.
  • Gehen Sie achtsam mit sich um:
    • im Garten bewusst die Schönheit der Natur wahrnehmen und genießen
    • in Ruhe Kaffee/Tee trinken
    • ein Buch lesen
    • eine handyfreie Zone einrichten
    • sich Zeit fürs „Nichtstun“ nehmen
    • eine Achtsamkeitsübung ausführen, z. B. eine Gehmeditation

Was Sie im Laufe der Zeit einplanen können:

  •  Sozialkontakte pflegen 
  •  aktive und ruhige Pausen einlegen 
  •  regelmäßig entspannen 
  •  Entspannungskurse besuchen 
  •  Fitnesskurse/Gymnastikkurse belegen 
  •  einem Hobby nachgehen 
  •  längerfristige Auszeiten (Urlaub) planen

Was können pflegende Beschäftigte für ihre Selbstsorge im Betrieb tun?

  •  betriebliche Angebote aus dem BGM wahrnehmen 
 prüfen, was am eigenen Arbeitsverhalten verändert werden kann 
  • (z. B. welche Termine, Tätigkeiten sind wirklich notwendig und welche können gestrichen werden)
  •  aktive und passive Pausen einlegen 
  •  Wenn möglich, auch mal nein sagen 
  •  Sozialkontakte pflegen 
  •  Auszeiten (Urlaub) planen
Checkliste Selbstsorge downloaden

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