Schaffen Sie Ihr Netzwerk

Ein Netzwerk zur Entlastung kann in der Realität aus einer Verknüpfung von Menschen und Institutionen bestehen. Auf dem Papier kann ein Netzwerk eine Übersicht (hier als Kreisdiagramm) sein, in das Sie als pflegende Person wichtige Eintragungen vornehmen können, sodass Nummern und Ansprechpartner immer griffbereit sind. Es verschafft Ihnen einen Überblick, welche Institutionen und wen Sie zusätzlich zur Unterstützung und Entlastung einplanen können. Durch Gespräche und Zusammenarbeit mit den einzelnen Institutionen und Menschen (Familie, Freunde, Nachbarn, Beratungsstellen) sammeln Sie Informationen, Möglichkeiten und Ideen, die Sie vorher nicht hatten.

Ein Netzwerk sollte immer folgende Institutionen beinhalten:

  • Pflegeberatungsstellen (ausführliche Informationen und Beratung)
  • Pflegekurse (Organisation, Informationen, Pflegetechniken und Austausch)
  • Entlastende Dienste/Familie, Freunde und Nachbarn (Entlastung, Freiräume)
  • Institutionen zum eigenen Wohlbefinden (Entspannungskurse, Wassergymnastik, Massagen, Rückenschule, Freunde treffen usw.)

Die Pflegeberatungsstelle sollte ein Fixpunkt in Ihrem Netzwerk sein, weil Sie dort die Organisation der häuslichen Pflege und Betreuung des erkrankten Menschen mit jemandem besprechen können, der sich in dem Bereich gut auskennt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegeberatungsstelle können Ihnen helfen herauszufinden, wie Sie weiter vorgehen sollten und was für Sie als Nächstes wichtig ist

Entlastende Dienste sind für eine gute Planung und Organisation der häuslichen Pflege unverzichtbar; sie schaffen Freiräume, damit Sie etwas für Ihr eigenes Wohlbefinden tun können. Diese sollten in Ihrem Wohnort schnell und flexibel verfügbar sein.

Auch das Einbinden von Familie, Freunden und Nachbarn darf nicht vergessen werden, denn sie tragen dazu bei, dass Sie Auszeiten einplanen können. Dadurch besteht z. B. die Möglichkeit, einen Entspannungs-/oder Sportkurs zu besuchen oder ein Hobby wieder aufleben zu lassen.

Es ist wichtig, Pflegekurse zu besuchen, um sich Pflegewissen und Tech-niken zur eigenen Gesunderhaltung anzueignen. Durch Ihr individuelles Netzwerk erhalten Sie mehr Sicherheit rund um Pflege und Betreuung, weil Sie immer einen Ansprechpartner haben, wenn Sie nicht mehr weiterwissen. Sie sind nicht mehr „alleine“ für alles verantwortlich! Sie können Aufgaben und Verantwortung teilen!

Mein individuelles Netzwerk rund um die Pflege und Betreuung

Es müssen nicht alle aufgeführten Institutionen in einem Netzwerkvorhanden sein. Ermitteln Sie gemeinsam mit der Pflegeberaterin oder dem Pflegeberater das passende Angebot für Ihre individuelle Situation! Am Ende der Broschüre finden Sie Schablonen, in die Sie Ihre eigenen Eintragungen vornehmen können.

Mein individuelles Netzwerk für den Notfall – wenn ich nicht mehr kann!

Auch für akute Situationen ist es gut, wenn man sich vorsorglich informiert und ein Netz von Hilfsanbietern zusammenstellt. Es ist sinnvoll, zu der einen oder anderen Institution vorab Kontakt aufzunehmen und sich dort einfach mal über die Institution zu informieren.

Es müssen nicht alle aufgeführten Institutionen in einem Netzwerk vorhanden sein. Ermitteln Sie gemeinsam mit der Pflegeberaterin oder dem Pflegeberater das passende Angebot für Ihre individuelle Situation!

Für Frau Steffens stellt sich die Frage, ihren Mann ins Pflegeheim zu geben, erst gar nicht. „Wir lieben uns und sind füreinander da, so wie wir es uns vor Gott versprochen haben – in guten und in schlechten Zei-ten“, sagte sie zu ihrem Sohn, als dieser erwähnte, dass es die Möglichkeit gebe, den Vater in einem Pflegeheim unterzubringen. Sie erledigt alles mit großer Sorgfalt. Anfangs geht es ihr leicht von der Hand. Doch sie merkt auch, dass ihr die Pflege und Betreuung ihres Mannes immer schwerer fallen und sie es nicht mehr alleine schafft.

Deshalb bindet sie auf Anraten des Sohnes einen Pflegedienst ein, der morgens und abends zur Unterstützung kommt. Den Rest des Tages und in der Nacht ist Frau Steffens allein mit ihrem Mann. Nach einiger Zeit stellt sie fest, dass sie trotz Hilfe durch den Pflegedienst immer noch viel Zeit für die Pflege und Betreuung benötigt und geht deshalb nicht mehr zu ihrer Kaffeerunde, die schon seit 17 Jahren besteht und auch nicht mehr zur Gymnastik, die, wie sie sagte, „ihr immer so gut tut“. Denn die Zeit braucht sie ja für ihren Mann. Auch ihre Freundinnen kom-men nur noch sehr selten zu Besuch. Frau Steffens glaubt, dass es daran liegt, dass ihre Freundinnen sich nicht mehr so richtig wohl bei ihr fühlen, dass sie ein Unbehagen verspüren, wenn sie bei ihr sind. Sie werden vielleicht daran erinnert, dass ihnen so etwas auch passieren könnte. Außerdem hat sie ja auch nichts Neues zu berichten. Alles, was sie erlebt, spielt sich im Haus ab und dreht sich um ihren Mann.

Frau Steffens’ individuelles Netzwerk rund um die Pflege und Betreuung

Na ja, und gestört werden sie dann auch noch, wenn ihr Mann sie häufig ruft, während die Freundinnen da sind. Frau Steffens kümmert sich nun noch intensiver um ihren Mann, denn außer dem Pflegedienst und dem Sohn kommt niemand mehr ins Haus. Dies führt dazu, dass sich ihre Gedanken immer mehr um die Bedürfnisse ihres Mannes drehen.

Selbst in der Nacht findet sie nur schlecht in den Schlaf, weil sie ja etwas vergessen haben könnte. Was kann Frau Steffens tun, um aus dieser Situation herauszukommen? Frau Steffens sollte sich mit einer Pflegeberaterin zusammensetzen und mit ihrer Hilfe die häusliche Pflegesituation planen. Dabei sollte für sie ein individuelles Netzwerk sowie ein strukturierter Tagesablauf erstellt werden.

Frau Steffens’ individuelles Netzwerk für den Notfall – wenn sie nicht mehr kann!

Jetzt hat Frau Steffens ihre Netzwerke und weiß, wer sie unterstützen und entlasten kann. Nun geht es darum, gemeinsam mit der Pflege- beraterin einen strukturierten Tages-/Wochenplan zu erstellen, der Maßnahmen zur Selbstsorge enthält sowie entlastende Dienste undalle verlässlichen Helfer aus ihrem Netzwerk einbindet. Bei der Planung müssen das Alter, die Lebenssituation, die Bedürfnisse sowie die Gesundheit von Frau Steffens berücksichtigt werden. Frau Steffens würde als Ergebnis einen auf ihre Bedürfnisse abgestimmten strukturierten Tages- oder Wochenplan erhalten, nach dem sie sich in der ersten Zeit richten kann.

In diesem Tages- oder Wochenplan werden die Tätigkeiten geplant, die Frau Steffens für ihren Mann und im Haushalt verrichtet. Zusätzlich werden zwischen den einzelnen Tätigkeiten Maßnahmen zur Selbstsorge eingeplant. Im Fall von Frau Steffens wäre es günstig, mehr pro-fessionelle Hilfe einzuplanen sowie Sozialkontakte zu fördern und Entspannungskurse vorzusehen. Dies kann sie erreichen, indem sie zum Beispiel eine Tagespflegeeinrichtung einplant, damit sie sich wieder mit einer Freundin treffen und/oder an einem Entspannungskurs teilnehmen kann. Für die pflegerischen Tätigkeiten kann der schon bestehende Pflegedienst stärker eingebunden werden. Zur Betreuung des Mannes können weitere entlastende Dienste wie z. B. der ehrenamtliche Besuchsdienst der Kirchen oder andere niedrigschwellige Angebote aber auch die Familie und Nachbarn eingebunden werden. Es gibt eine Vielzahl von Stellen, die Frau Steffens entlasten können. Deshalb ist es gut, so wie Frau Steffens eine Pflegeberatungsstelle aufzusuchen und sich dort umfassend beraten zu lassen und gemeinsam ein individuelles Netzwerk sowie einen strukturierten Tagesplan zusammenzustellen.

So wie Frau Steffens geht es vielen pflegenden Angehörigen. Sie kommen plötzlich in die Situation, ihren geliebten Mann pflegen zu müssen. Sie tun alles, damit es ihm gut geht, doch dabei vergessen sie sich selbst

Hier finden Sie das Fallbeispiel und die Kopiervorlage für Ihr eigenes Netzwerk:

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