Demenz-Verstehen

Demenz-Verstehen

Die zehn häufigsten Fragen von Angehörigen zum Thema Demenz

1. Was ist Demenz?

Der Begriff „Demenz“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „weg vom Geist“. In der Medizin wird Demenz häufig als Obergriff für verschiedene Symptome und Krankheitsbilder verwendet.

Merkfähigkeit

Menschen mit Demenz können sich neue Dinge nicht mehr merken und vergessen Dinge, die sie schon wussten.

Orientierung/Urteilsfähigkeit

Menschen mit Demenz haben Probleme, sich örtlich (z. B. den Weg nach Hause oder das Badezimmer nicht finden können) und auch zeitlich zu orientieren (das aktuelle Datum, der Wochentag, das Jahr und die Jahreszeit können nicht benannt werden, auch Tageszeiten werden verwechselt). Möglicherweise kommen Beeinträchtigungen in der Urteilsfähigkeit vor, z. B. können Gefahren für sich und andere Menschen nicht mehr eingeschätzt werden.

Verhalten/Stimmungsveränderungen

Menschen mit Demenz verhalten sich in unterschiedlichen Situationen für Außenstehende oft unangemessen. Auf der einen Seite reagieren sie wütend, eigenwillig oder zornig, ein anderes Mal ziehen sie sich zurück und wirken teilnahmslos. Ein Grund dafür kann sein, dass die Menschen mit Demenz im Laufe der Erkrankung vor allem ihr Selbstwissen und ihr Selbstbewusstsein verlieren. Sie bemerken gerade zu Beginn der Erkrankung, dass sie ihren Alltag nicht mehr selbständig bewältigen können und die Umwelt spiegelt ihnen dies wider. Eben das spüren die Menschen mit Demenz und verhalten sich ihrer Stimmungs- bzw. Gemütslage entsprechend gereizt und wütend – ohne einen für die Angehörigen fassbaren oder ersichtlichen Grund.

Probleme bei alltäglichen Handlungen

Bei einfachen Handlungen wie Zähneputzen oder Aus- und Anziehen von Kleidung hat der Mensch mit Demenz Probleme. Da er die Fähigkeit zu Einzelhandlungen (z. B. das Herausnehmen der Zahnprothese sowie das Säubern und Wiedereinsetzen dieser) verloren hat, werden solche Tätigkeiten für den Menschen mit Demenz  zu einem zu komplexen Handlungsmuster. Dies hat zur Folge, dass er diese Handlungen nur noch unter Anleitung der pflegenden Angehörigen erledigen kann. Auch das logische Denken lässt mehr und mehr nach.

Probleme bei Alltagsfertigkeiten

Menschen mit Demenz sind nicht mehr in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen. Zu Anfang der Erkrankung kann noch vieles überspielt oder bagatellisiert werden. Dies gelingt im weiteren Verlauf der Erkrankung nicht mehr (Beispiel: Ein Kind lernt während seiner Entwicklung, den Kühlschrank zu öffnen – es weiß, dort steht der Joghurt. Ein dementer Mensch vergisst die Bedeutung und den Nutzen eines Kühlschrankes – er legt z. B. seine Socken hinein.)

Handlungen, die früher eine Selbstverständlichkeit waren, gelingen nicht mehr. Eine Zahnbürste wird nicht erkannt und wird als Nagelbürste benutzt. Der Mensch mit Demenz  isst z. B. sein Essen kalt, weil er vergessen hat, dass es warm gemacht werden muss. Er isst sein Brot ohne Belag, da er vergessen hat, wie er es schmieren und dabei das Messer halten muss.

Sprache

Menschen mit Demenz haben Schwierigkeiten, Dinge zu benennen und Probleme beim Verstehen von gesprochener und/oder geschriebener Sprache. Wichtig ist hier zu unterscheiden, ob es sich um ein Erkennungsproblem oder um ein Wortfindungsproblem handelt. Wenn ein Mensch mit Demenz zum Beispiel nur ein Hohlgefäß aus Glas sieht, dieses aber nicht als Trinkglas erkennt, dann hat er ein Erkennungsproblem und weiß deshalb auch nicht, was er damit machen soll und ist somit zu keiner Handlung (also daraus zu trinken) fähig. Weiß er aber, dass ein durchsichtiges Gefäß zum Trinken benutzt wird, kann es aber nicht als Glas benennen, wird er es trotzdem benutzen, denn er hat hier ein Wortfindungsproblem.

2. Welche Formen einer Demenz gibt es?

Grundsätzlich werden zwei Formen unterschieden:

Primäre Form (etwa 85 bis 90 Prozent)

Bei dieser Form ist das Gehirn direkt erkrankt. Man unterscheidet bei der primären Demenzform zwei große Hauptgruppen:

Neurodegenerative Demenzerkrankungen

Der Begriff „neurodegenerativ“ setzt sich aus den Begriffen Neuron (Nervenzelle) und Degeneration (Rückbildung) zusammen. Bei dieser Form sterben also die Nervenzellen ab. Die Ursache für das Zellsterben sind Eiweißablagerungen zwischen den Nervenzel- len. So sind die Kontaktstellen der Zellen gestört und werden zurückgebildet, dadurch verkümmern die Nervenzellen. Wenn zehn Prozent aller Kontaktstellen im Gehirn nicht mehr funktionieren, treten erste Krankheitszeichen auf. Die häufigste neurodegenerative Demenzerkrankung ist die Alzheimer-Erkrankung, auf die im weiteren Verlauf eingegangen wird.

Vaskuläre Demenzerkrankungen

„Vaskulär“ stammt von dem lateinischen Wort für „Gefäß“. In diesem Fall sind die Blutgefäße gemeint, die das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Ist diese Versorgung z. B. durch Ablagerungen in den Blutgefäßen oder Verschluss eines Gefäßes gestört, kommt es zu einer Minderversorgung des Gehirns. Blutgefäße, deren Wände durch Ablagerungen stark verdickt sind, werden spröde und können reißen. Dadurch entsteht eine Gehirnblutung, die ebenfalls eine Demenz hervorrufen kann.

Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer Krankheit ist mit nahezu 60 bis 70 Prozent die häufigste Form einer Demenz. Sie wurde nach dem Neurologen (Nervenarzt) Alois Alzheimer benannt, der 1906 zum ersten Mal das Krankheitsbild vorstellte. Bei dieser Form bilden sich runde Ei- weißablagerungen in bestimmten Gehirnregionen. Diese nennt man Amyloidplaques. Außerdem entstehen fadenförmige Eiweißablagerungen zwischen den Gehirnzellen. Diese Entwicklungen führen zum fortschreitenden Absterben der Gehirnzellen. Das Krankheitsbild kann ab dem mittleren Lebensalter auftreten. Je nach betroffener Hirn- region kann es schon in sehr frühen Stadien zu Orientierungsproblemen, Sprachstörungen und Vergesslichkeit kommen.

Sekundäre Form (etwa 10 bis 15 Prozent)

Bei dieser Art der Demenz ist nicht das Gehirn selbst erkrankt. Es hat nur deshalb an Funktionsfähigkeit verloren, weil ein anderes Organ erkrankt ist (eine andere Grunderkrankung liegt vor). Das Gehirn reagiert also nur auf ein körperliches Problem. Dies kann bei Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion), Organversagen (z. B. Nierenversagen) oder Mangelzuständen (Austrocknung des Körpers) der Fall sein. Wichtig ist daher immer, eine Diagnose beim Neurologen erstellen zu lassen, da eine sekundäre Form oft heilbar ist

Mischformen

Selten tritt eine Demenz in einer „Reinform“ auf. So können Kranke, die beispielsweise an der Alzheimer-Erkrankung (neurodegenerativ) leiden, zusätzlich auch eine Schädigung der Blutgefäße im Gehirn (vaskulär) haben. Ebenso kann es umgekehrt bei Menschen mit Demenz, die eine Durchblutungsstörung im Gehirn haben, zusätzlich zu einer Eiweißablagerung zwischen den Nervenzellen kommen.

3. Was sind die ersten Krankheitszeichen einer Demenz?

Erste Symptome können sein:

  • Häufiges Wiederholen derselben Frage oder Geschichte.
  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten, wie z. B. Telefonieren, Kochen, den Tisch decken, eine Glühbirne eindrehen.
  • Probleme, sich zu orientieren, vor allem in fremder Umgebung (daher möchte der Mensch mit Demenz am liebsten zu Hause bleiben).
  • Sozialer Rückzug (Menschen mit Demenz  gehen z. B. nicht mehr zum Chor oder zum Kartenspielen).
  • Verlegen von Gegenständen an ungewöhnliche Orte, z. B. die Fernbedienung in den Kühlschrank.
  • Kleidung wird falsch angezogen.
  • Auf Fragen wird zunehmend ausweichend geantwortet, es werden Floskeln benutzt oder bei Nichtwissen einfach abgewiegelt.
  • Menschen mit Demenz reagieren oft grundlos gereizt, sind nervös und lehnen Veränderungen ab.

Diese Symptome können, müssen aber nicht alle auftreten.

4. Wie wird eine Demenz festgestellt?

Ein Hausarztbesuch (sollte vom pflegendem Angehörigen angeregt werden):

  • Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) durch Befragung des Menschen mit Demenz und der Angehörigen
  • Laboruntersuchung (Blut- und Urintest)
  • Test zur Überprüfung der Gedächtnisfunktion
  • Überweisung zum Neurologen
  • Weitere Befunderhebungen (Tests, Fragebögen)
  • Bildgebende Verfahren des Gehirns (MRT/CT)
  • Elektrische Darstellung des Gehirns (EEG)
  • Besuch einer Gedächtnisambulanz/Memoryklinik oder von
  • Einrichtungen, die auf die Diagnostik von Demenzerkrankungen spezialisiert sind

5. Wie verläuft eine Demenz?

Der Krankheitsverlauf kann (je nach Ursache) sehr unterschiedlich sein. In der Regel werden drei Stadien unterschieden:

Erstes Stadium/Frühstadium/leichte Demenz

  • Gelegentliches Vergessen; Störung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Gefühle von Verlust, Unsicherheit, Angst und Scham sind sehr stark.
  • Die Fähigkeit, allein zu leben, ist noch vorhanden
  • Menschen mit Demenz merken, dass etwas nicht stimmt, bauen eine Fassade auf und greifen auf alte Strategien zurück.
  • Urteilsvermögen und Hygiene sind noch intakt, aber soziale Aktivitäten und die Arbeit bereits deutlich beeinträchtigt.

Zweites Stadium/mittleres Stadium/mittelschwere Demenz

  • Zunehmender Verlust der geistigen Fähigkeiten; steigende Vergesslichkeit
  • Selbständige Lebensführung ist nur noch bedingt möglich; ein gewisses Maß an Aufsicht ist erforderlich
  • Vernachlässigung der Hygiene
  • Desorientierung (Zeit und Ort)
  • Sprachstörungen (besonders das Sprachverständnis ist gestört)
  • Wahnvorstellungen (z. B. Bestehlungsideen)

Drittes Stadium/spätes Stadium/schwere Demenz

  • Selbständige Lebensführung ist nicht mehr möglicht
  • Verlust der Alltagskompetenz mit völliger Pflegeabhängigkeit
  • Auf ständige Aufsicht und Hilfe angewiesen
  • Gedächtniszerfall mit Zerfall der Sprache
  • Schluckprobleme, Inkontinenz (Urin und Stuhl können nicht mehr gehalten werden)
  • Bettlägerigkeit

Das Wesen des Menschen mit Demenz und seine Gefühle gehen im gesamten Verlauf einer Demenz nicht verloren.

6. Welche Behandlungen gibt es?

Zunächst gibt es die medikamentöse Therapie, bei der Medikamente zum Einsatz kommen, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamen, aber nicht dauerhaft aufhalten können. Des Weiteren werden Medikamente verabreicht, die bestimmte Symptome wie Unruhezustände, Ängste und Wahnvorstellungen beeinflussen können.

Die Wirksamkeit eines Medikaments ist bei jedem Menschen unterschiedlich! Es sollte zuerst ein Versuch unternommen werden, das Verhalten des Menschen mit Demenz  ohne Medikamente positiv zu beeinflussen. Hier ist es sehr wichtig, dass Angehörige sich über die Erkrankung informieren, um sich keine falschen Hoffnungen zu machen. Angehörige müssen lernen, mit der Erkrankung zu leben und den Menschen mit Demenz annehmen, wie er ist. Zuwendung, Aktivierung, Beschäftigung und ein einfühlsamer Umgang erleichtern sowohl Betroffenen als auch Angehörigen den Alltag.

7. Ist Demenz heilbar?

Bis auf wenige Ausnahmen (die o. g. sekundären Demenzen) ist eine Demenz nicht heilbar. Lediglich der Abbauprozess kann durch bestimmte Medikamente verlangsamt werden.

8. Kann man an Demenz sterben?

Menschen mit Demenz erliegen häufig einer Zweiterkrankung (z. B. einer Lungenentzündung, die durch die Bettlägerigkeit und Schwächung der Abwehr hervorgerufen wird).

9. Kann ich einer Demenz vorbeugen?

Es gibt bis heute noch keinen Schutz vor Demenz. Aber man kann durch einen gesunden Lebensstil das Risiko für eine Demenzerkrankung senken:

  • Geistige Aktivität
  • Körperliche Betätigung
  • In Gesellschaft mit anderen Menschen sein
  • Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse
  • Rechtzeitige Behandlung von Risiko-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

10. Was ist besonders wichtig?

Informieren und Hilfe annehmen! Die Pflege von Menschen mit Demenz kann nur gelingen, wenn die Last verteilt wird.



Den Alltag gestalten

Der oder die Betroffene hat das Wort: „Wenn du diese Tipps berücksichtigst, kommen wir besser miteinander aus!“

  • Informiere dich über mich, dann fällt dir vieles leichter!
  • Gib dir nicht zu viel Mühe, mir einen abwechslungsreichen Tag zu organisieren. Es ist gut für mich, einen einfachen, überschaubaren Tag zu haben. Deshalb sollte ich jeden Tag zur gleichen Zeit die gleichen Dinge verrichten.
  • Wenn ich „nur“ dasitze, in meiner Welt und meinen Gedanken, dann halte an und schenke mir deine Nähe und Zuwendung
  • Wenn du mit mir sprichst, kannst du es mit einer ruhigen, leisen und deutlichen Stimme versuchen. Dann bekomme ich auch keine Angst.
  • Es wäre gut für mich, wenn du mich ansiehst und leicht berührst, bevor du mich ansprichst, dann weiß ich auch, dass du mich meinst. Sei nicht traurig, wenn ich vergesse, was du mir gesagt hast, das passiert mir oft.
  • Es ist für andere nicht immer leicht, mich zu verstehen, aber für mich ist es auch nicht leicht, mein Gegenüber zu verstehen. Deshalb achte darauf, dass dein Gesichtsausdruck und deine Stimme zusammenpassen, sonst werde ich unsicher oder ärgerlich.
  • Ich verstehe nicht immer alles, was du sagst, doch manchmal ist es mehr als du denkst.
  • Verbreite keine Hektik und Stress, verlange nicht zwei Dinge auf einmal von mir; das überlastet mich und macht mich unsicher und wütend.
  • Verbessere mich nicht immer, das macht mich nur wütend.
  • Lass mich doch einfach das tun, was ich noch kann – dann habe ich eine Beschäftigung!
  • Falls ich doch mal aufgewühlt sein sollte, dann setze dich ganz ruhig neben mich und halte meine Hand. Dann weiß ich, dass du für mich da bist, das gibt mir Sicherheit.
  • Ich liebe es, meine Musik zu hören, doch leider weiß ich nicht mehr, welche es war. Dann ist es gut, wenn du sie kennst und für mich eine CD einlegst. Denke aber auch daran, die CD oder auch das Radio nicht zu lange an zu lassen. Das könnte mich unruhig machen. Wir können auch gemeinsam Lieder von früher singen, die Texte kenne ich gut.
  • Serviere mir bitte das Essen von vorn und kündige es mir an, dann erschrecke ich mich nicht. Reiche mir langsam mein Essen, sonst könnte es passieren, dass ich nicht verstehe, was du machst und ich mich bedroht fühle.
  • Es gibt unterschiedliche Esskulturen, ich habe immer mit Messer und Gabel gegessen, jetzt kann ich es nicht mehr. Lass mich mit den Fingern essen. Es gibt überall auf der Welt Menschen, die es genauso machen.
  • Verstelle dich nicht, ich habe ein gutes Gefühl für Echtheit. Meine Gefühlswahrnehmung geht nicht verloren. Die Spannung, die ich sonst spüre, kann viele Emotionen in mir wachrufen wie z. B. Traurigkeit, Wut, Zorn und Verzweiflung.
  • Merke dir meine Verstecke, dann brauchst du nicht so viel zu suchen.
  • Lass mich in deiner Erinnerung sein, wie ich war und akzeptiere mich, wie ich jetzt bin!
  • Sorge dich nicht nur um mich, sondern denk auch an dich!
  • Höre nicht immer, was die Leute sagen, sondern nimm mich lieber in den Arm und hab mich lieb! Das gibt mir Halt!

Wichtige Lebensereignissepositivenegative
Kindheitserlebnisse

Jugenderlebnisse

Familienereignisse

Krankheiten

Weltpolitische Ereignisse
(Krieg, Vertreibung, Gefangenschaft)


Wohnorte

Vorliebenfrüherheute
Abneigungen

Gewohnheiten

Fähigkeiten, Begabungen
(praktisch, handwerklich künstlerisch, Sprachen)
früherheute
Hobbysfrüherheute
Beruf

  • Nähern Sie sich Ihrem erkrankten Angehörigen in der Regel immer von vorne (denken Sie daran, dass sich das Blickfeld im Alter einschränkt).
  • Nehmen Sie Blickkontakt auf gleicher Blickhöhe auf und warten Sie einen Moment.
  • Geben Sie Ihrem Angehörigen Gelegenheit, Sie bewusst wahrzunehmen.
  • Sprechen Sie Ihren Angehörigen mit seinem Namen an.
  • Sprechen Sie langsam, ruhig und deutlich.
  • Unterstützen Sie das Gesprochene durch Gesten und Berührungen.
  • Verwenden Sie kurze und einfache Sätze mit vertrauten Worten.
  • Geben Sie nur eine Information oder Mitteilung auf einmal.
  • Stellen Sie nur eine Frage auf einmal.
  • Vermeiden Sie Sachdiskussionen.
  • Machen Sie Vorschläge, wenn Ihr Angehöriger Probleme hat, sich zu entscheiden.

Validation – eine besondere Art Gespräche zu führen

Eine gute Gesprächsmethode im Umgang mit demenziell erkrankten Angehörigen ist die Validation. Validation heißt Wertschätzung und bedeutet in diesem Fall, das Gesagte des Erkrankten für gültig zu erklären und wertzuschätzen. Das heißt nicht, auf den Sachinhalt der Aussage einzugehen, sondern auf das jeweilige Gefühl, welches „hinter“ dieser Aussage steht.

Ein Beispiel: Wenn Ihr Angehöriger am Frühstückstisch sagt, er möchte nach Hause, dann ist es nicht sinnvoll, auf den Sachinhalt einzugehen (wahrscheinlich gibt es dieses Haus nicht mehr oder er wohnt seit 50 Jahren schon nicht mehr in diesem Haus). Versuchen Sie, „hinter die Aussage“ zu schauen. Welches Gefühl steckt dahinter? Fühlt er sich allein? Sucht er Geborgenheit? Ist er unsicher? Versuchen Sie darauf einzugehen: „Du fühlst dich allein! Du hast Sehnsucht nach deinem Zuhause?“ Mit solchen Aussagen nehmen Sie Ihren Angehörigen ernst. Er wird sich verstanden fühlen und das schafft Vertrauen. Er wird nicht bloßgestellt durch die Frage: „Hier ist doch dein Zuhause!!! Wo willst du denn hin?“

Ein anderes Beispiel ist, wenn der erkrankte Angehörige wieder etwas sucht und Sie beschuldigt, es gestohlen zu haben. Was steckt „dahinter“? Vielleicht Misstrauen, Verzweiflung oder Angst? Hier ist es ebenfalls für alle Beteiligten besser, nicht auf der Sachebene zu sprechen. Versuchen Sie, Ihrem Angehörigen den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem Sie ihm sein Verhalten spiegeln: „Du fühlst dich hintergangen! Du bist wütend! Du kennst dich nicht mehr aus!“

Diese Art der Gesprächsführung ist keine Zauberlösung und keine Therapie! Aber man nimmt beiden Seiten ein Stück des inneren Drucks. Auf der Sachebene mit dementen Menschen zu sprechen, führt in der Regel nur zu beiderseitiger Unzufriedenheit und Unverständnis. Immer wird Validation wahrscheinlich nicht gelingen – wir sind alle nur Menschen – aber es ist immer wieder einen Versuch wert.

Weitere Beispiele und Hintergründe finden Sie im Internet unter: www.integrative-validation.de

Interessante Beiträge

Wir setzen Cookies ein.

Um diese Webseite zu verbessern und zu analysieren. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung oder unter Einstellungen. Dort können Sie der Verwendung der Cookies auch widersprechen.

chevron-top chevron-right chevron-bottom chevron-left search house close close burger empty-box-search burger